Eigentlich muss man ja immer ein wenig zusammen zucken, wenn man ein paar viel zu junge Hipster selbstbewusst auf Bandfotos herum hüpfen sieht. Mehr Hype als Talent kann man da nicht selten vermuten, aber manchmal muss man dann doch zugeben, dass mehr als das dahinter steckt.
Das Trio Wavves aus San Diego in Kalifornien hat seit ihrem Debütalbum im Jahre 2008 eindeutig bewiesen, dass sie mit ihrer Mischung aus Beach Boys, Shoegazer-Sound und Electro-Spielereien großartige Songs schreiben können, die sich nicht nur auf Tanzflächen gut machen.
Und so freut sich der Musikfan, dass ihr bereits drittes Album “King of the Beach” seit dem 3.8.2010 erhältlich ist, um sie mit leicht unordentlichem, aber umso bunteren Indierock zu beschallen.

Dass Sänger Nathan Williams 2009 auf einem Spanien-Konzert zusammengebrochen ist, weil er zuvor ein paar Drinks und Drogen zu viel genommen hat, kann man dem neuen Album glücklicherweise nicht anhören, denn “King of the Beach” klingt alles andere als übernächtigt und verkatert.
Wenn man jedoch von den poppigen Melodien absieht, zeigt sich zumindest in den Texten, dass die Band nicht nur optimistische Surferhymnen vom Besten geben möchte. So verleiten die Songtitel “Mickey Mouse”, “Baseball Cards” oder “King of the Beach” zwar dazu, hier an nostalgische Oden an die 50er Jahre zu denken, dahinter verstecken sich jedoch zynisch-bedrückende Songs, die zusammen mit den übersteuerten Backgroundchören fast bedrohlich klingen.
Während die ähnlich gehypten The Drums mit ihren Surfersongs ein bisschen eintönig durch ihr Debüt plätscherten, geben Wavves dermassen Gas, dass kaum Zeit zum atmen bleibt; es sei denn die Band entscheidet sich mit Songs a la “When will you come?” dazu, eine Gelegenheit zum Engtanz zu bieten.
Zwar muss man sich fragen, wieviele Shoegazer-Bands die Welt noch braucht, allerdings macht man bei solchen Bands gerne eine Ausnahme.
Mit Falsetto-Stimmen, witzigen Synthie-Einsätzen und großartigen Songs, die eine homogene, aber bei weitem nicht langweilige Platte bilden, haben Wavves das perfekte Spätsommeralbum heraus gebracht, das zum Jahresende sicherlich in diversen Best-of-Listen der Musikmagazine landen wird.

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