Mario Gomez unterdurchschnittlich

Gomez unterdurchschnittlich

Mehmet Scholl ist eine Legende beim FC Bayern München. Der verletzungsanfällige Spieler gewann mit dem bayrischen Nobelclub acht deutsche Meisterschaften, fünfmal den DFB Pokal und 2001 die Champions League, was seitdem keinem Team des FC Bayern mehr gelungen ist. Scholl stand für einen mannschaftsdienlichen und spielfreudigen Stil mit einem Hang zu Kabinettsstückchen wie dem damaligen Freistoß-Lupfer, der Franz Beckenbauer auf die Palme brachte. Eine ganze Generation von Straßenfußballern wurde von Scholl beeinflusst.

Heutzutage ist er Experte bei der ARD und steht als solcher in der Diskussion. Nach dem nicht unbedingt hochverdienten Sieg gegen Portugal lobte Scholl im Nachbericht speziell die Abwehrreihe und das defensive Mittelfeld ehe er dann von Reinhold Beckmann auf Mario Gomez angesprochen wurde und nur mit “Gomez … ja…” antwortete. Deutliche am Stürmer, der ironischerweise ebenfalls heutzutage beim FC Bayern spielt.

Scholl ging ins Detail als er darauf hinwies, dass Gomez ein ganz anderer Typ Stürmer als Klose sei und deutlich weniger mitspielt, sondern eher eine Abschlussstation im Spiel darstelle. Er wies auf Elber und Pizarro hin, die in einer Saison in der der FC Bayern das Double aus Meisterschaft und DFB Pokal gewann, nur 19 Tore geschossen haben. Wohlgemerkt 19 Tore zusammen – zum Vergleiche: Stürmer Gomez erzielte in der vergangenen Spielzeit 26 Tore alleine.

Mario Gomez gab im Interview an, dass er die vergangenen beiden Jahre als sehr erfolgreich für sich selbst erachtet. Zwei Jahre, in denen der FC Bayern lediglich einen Titel aufweisen konnte, was für die Ansprüche im Südosten der Republik schlichtweg nicht ausreicht. Genau in diese Kerbe schlug auch die Kritik des ARD-Experten. Der Stürmer spiele zu eigensinnig und zu sehr auf den eigenen Erfolg aus. Würde er mannschaftsdienlicher denken und spielen, so seien deutlich größere Erfolge möglich.

Kritik, die irgendwie wie die klingt, die Marios Kollege Arjen Robben immer wieder über sich ergehen lassen muss. Dem Niederländer wird ein zuweilen ungesunder Egoismus unterstellt. Die Debatte um die beiden verschossenen Elfmeter in der meisterschaftsentscheidenden Partie gegen Dortmund und im Champions League Finale gegen den FC Chelsea ist uns allen noch im Kopf. Ironischerweise war es ausgerechnet Mario Gomez, der gegen Chelsea gerne schießen wollte, aber von Robben den Ball nicht erhalten hat. Arjen verschoss, das Spiel endete nach Verlängerung unentschieden und am Ende war es dann Bastian Schweinsteiger, der zur tragischen Figur wurde – einer, der eigentlich im Gegensatz zu seinen Kollegen nicht in der Kritik steht.

Aber das stand der Stürmer des FC Bayern und der deutschen Nationalmannschaft zuletzt auch nicht. 2008-2010 war eine schwierige Zeit für Super-Mario. Als er gegen Spanien übers leere Tor schoss spottete ganz Europa über diesen Fauxpas. Nach seinem Wechsel vom VFB Stuttgart zum FC Bayern war er häufig nicht gesetzt und galt dann als Chancentod. Erst als der Stürmer immer spielte traf er plötzlich nach Belieben und stand nicht mehr in der Kritik … bis zu diesem Samstag als Mehmet Scholl kam. Diese Situation wird im Laufe der Europameisterschaft interessant zu beobachten sein. Gibt der Erfolg weiterhin dem Recht, der ihn hat, oder wurde hier vom ARD-Experten ein Lauffeuer gelegt?

deovigelsen/youtube.com/Scholl kritisiert Gomez ( wundgelegen )

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