Der Film über John Jacob Astor fällt es mehrere Gründen aus der ARTE-Reihe über deutsche Auswanderer in die USA heraus. Diese Unterschiede liegen vor allem in der Person des Porträtierten und seiner Zeit, in der er lebte.

Astor wurde 1763 in Walldorf bei Heidelberg in große Armut hinein geboren. Die Mutter stirbt kurz nach der Geburt, der Vater ist Metzger von Beruf und alkoholabhängig. Er kann nur unvollkommen seiner Arbeit nachgehen und schlägt die Kinder schlimm. Der junge Astor kann nur deshalb überleben, weil andere Kinder im Ort ihm Essen und Kleidung zukommen lassen. Im Alter von 16 Jahren folgt er seinem Bruder nach England. Dort erlernt er das Kaufmannswesen, bevor er dann kurz nach dem Unabhängigkeitskrieg der USA nach New York übersiedelt.

Johann Jacob Astor versucht sich als Pelzhändler in der neuen Welt. Durch die Mitgift seiner Frau, die er in der New Yorker Nachbarschaft kennenlernt und die aus einer wohlhabenden schottischen Familie stammt, kann Astor groß ins Pelzgeschäft einsteigen, welches die Grundlage dafür seinen ungeheuren Wohlstand liefern sollte, die aus Astor den reichsten Amerikaner seiner Zeit machen sollte.

Neben der Tatsache, dass keiner der in der ARTE-Reihe gezeigten Auswanderer aus so armen Verhältnissen stammte und zu so viel Reichtum in den USA gelangte wie Astor, ist auch die Tatsache bemerkenswert, dass das New York des Neuankömmlings Johann Jacob Astor alles Andere als die Weltmetropole darstellte, die heute jeder mit New York verbindet. Zur Astors Zeit lebten weniger als 10 000 Menschen in New York, das mehr einem Dorf als einer Stadt glich. Auch beschränkten sich die Einwanderer noch vor allem auf Briten, Niederländer und Deutsche.

Schließlich unterstreicht der Film, dass Astors geschäftlicher Erfolg auch auf einer mitunter zweifelhaften Geschäftspraxis beruhte. So bezahlte Astor die Dienste der Indianer bei der Pelzjagd, bei Transport und Handel der Pelze mit Alkohol, was für viele Indianer, die mit diesem Mittel nicht umgehen konnten, schwere Folgen haben sollte. Darüber hinaus umging Astor das britische Handelsembargo gegen die USA, in dem er seine Waren als kanadisch deklarieren ließ.

Der Film ist sehenswert wie seine Vorgänger, wenngleich Astor die wahrscheinlich am wenigsten sympathische Figur unter den Porträtierten darstellt. Aber gerade um sich ein eigenes Bild über die Person machen zu können, lohnt es sich, den Film selber anzuschauen.

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